Das allgemein bekannte "Cortison" steht im Organismus in einem Umwandlungsgleichgewicht mit "Cortisol", dem eigentlich in der Nebennierenrinde gebildeten Hormon, das sich nur geringfügig in seiner chemischen Struktur vom Cortison unterscheidet. Die hormonellen Steuerungssysteme und der Hormonspiegel im Blut unterliegen einem komplizierten Regelkreislauf mit hochsensiblen Rückkopplungsmechanismen, um zu gewährleisten, dass das lebenswichtige Hormon Cortisol dem Körper ständig in ausreichender Menge zur Verfügung steht.
Im Ruhezustand bildet der Körper zwischen 8-25mg Cortisol pro Tag. In Stresssituationen wie Krankheit oder Operationen kann die Produktionsleistung jedoch auf bis zu 300mg gesteigert werden. Diesem "Notfallreservoir", aus dem sehr grosse Mengen Cortisol als Antwort auf äussere Belastungen des Körpers sofort ins Blut abgegeben werden können, verdankt die Substanz den Beinamen "Stresshormon".
Die Herstellung (Synthese) und Freisetzung von Cortisol aus der Nebennierenrinde unterliegt tageszeitliche Schwankungen, dem sogenannten "zirkadianen Rhythmus". Der Hauptanteil der Tagesproduktion wird in mehreren Schüben in den frühen Morgenstunden zwischen 6 Uhr und 8 Uhr gebildet und gewährleistet hohe Cortisonspiegel während des Tagesverlaufs. Gegen Abend sinkt der Blutspiegel langsam ab und erreicht gegen 3 Uhr nachts ein Minimum. Daher sollt die Einnahme eines Cortison-Präparats in vielen Fällen morgens erfolgen!